Wir werden Standort des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit

Bochum hat sich erfolgreich im bundesweiten Wettbewerb für das neue nationale Zentrum für die Spitzenforschung zur Verbesserung der psychischen Gesundheit durchgesetzt.

Psychische Störungen betreffen in Deutschland mehr als ein Drittel aller Menschen im Laufe ihres Lebens. Um sie verstehen, vermeiden oder erfolgreich behandeln zu können, muss der Blick auf Lebensspannen und Lebenswelten gerichtet werden. Mit dieser Überzeugung ist „LIFE TBT“ angetreten: Der Verbund, der von unserer Direktorin Prof. Dr. Silvia Schneider koordiniert wird, ist ein Standort des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit. Das Zentrum aus insgesamt sechs Standorten ist auf Dauer angelegt und soll mit 30 Millionen Euro jährlich von Bund und Ländern gefördert werden.

„Psychische Erkrankungen beginnen nicht plötzlich im Erwachsenenalter, als sei vorher nichts geschehen“, spitzt Silvia Schneider zu: „Vielmehr beginnen sie im Kindes- und Jugendalter.“ Darum richtet unser FBZ-Team den Blick gezielt auf die Entwicklung von psychischer Gesundheit und psychischer Störungen, und zwar ab der Geburt. Ziel ist es, psychische Störungen nicht erst zu behandeln, wenn sie sich schon manifestiert haben und die Betroffenen darunter leiden, sondern früh präventiv gegenzusteuern und die Entwicklung solcher Erkrankungen zu verhindern.

„Darüber hinaus ist es ganz wichtig, die Lebenswelten der Menschen mit in den Blick zu nehmen“, so Schneider. Dazu gehören die Familie, die Schule, die Arbeit. „Das Ruhrgebiet ist als Standort bestens geeignet, weil hier auf engem Raum sehr viele Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund leben, und weil es hier einzigartige Institutionen gibt, die sich mit psychischer Gesundheit befassen.“

Als Partner haben unsere Wissenschaftler führende nationale Institutionen und Experten gewonnen. Das Team um Prof. Dr. Hanna Christiansen von der Philipps-Universität Marburg vertritt den Bereich Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung, und die national führenden Institutionen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das Deutsche Jugendinstitut, die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung Dortmund stehen für eine evidenzbasierte Gesundheitskommunikation und den Zugang zu den Lebenswelten Familie, Schule und Arbeit.

Der Name des Bochumer Verbundes, LIFE TBT, steht für die gezielte Integration von Labor-, Interventions-, Feld- und Umweltforschung (englisch Environment) mit systematischer Übersetzung in die Praxis (englisch Translation-Backtranslation).

Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung

Die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung bündeln Kompetenzen rund um bedeutende Volkskrankheiten und richten sie auf gemeinsame Ziele aus. Sie führen die besten Wissenschaftler eines Forschungsbereiches in Deutschland zusammen – von der Grundlagenforschung über die klinische Forschung bis hin zur Präventions- und Versorgungsforschung. Die enge Vernetzung und der damit verbundene Ausbau vorhandener Forschungsstrukturen ermöglichen eine schnellere Überführung in die Praxis. Als langfristig angelegte, gleichberechtigte Partnerschaften von Hochschulen, Universitätskliniken und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Ressortforschungseinrichtungen bieten die Deutschen Zentren hierfür wesentliche Voraussetzungen.