
Wie soziale Medien die psychische Gesundheit beeinflussen
, Austausch
Soziale Medien bestimmen zunehmend unseren Alltag – doch zu ihren langfristigen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und kindliche Entwicklung besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Ein international besetztes Kolloquium im Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ) bündelte am 22. und 23. Juli Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Disziplinen der Klinischen Kinder- und Jugendpsychologie, -psychiatrie, Klinischen Erwachsenen-Psychologie und der Entwicklungspsychologie. Ziel der Veranstaltung war es, Fragestellungen für die weitere Arbeit zu entwickeln.
„A Lifespan Perspective on Media Use: Early Interventions and Longitudinal Study Designs“ – so lautete der Titel des fachlichen Austauschs. „Uns interessiert unter anderem, wie Mediennutzung die Eltern-Kind-Interaktion und die Entstehung psychischer Störungen beeinflusst“, erklärte Organisatorin Melanie Bunz aus dem FBZ-Team. Dazu nutzten die Forschenden internationale Kontakte, die Melanie Bunz bei einem Aufenthalt in den USA geknüpft hatte. So hielt die Entwicklungspsychologin Prof. Rachel Barr von der Georgetown University in Washington die Keynote des Vortragsprogramms. Weitere Referentinnen waren Prof. Dr. Anett Sundqvist (Universität Linköping), Dr. Isabel Brandhorst (Universitätsklinikum Tübingen), Apl.-Prof. Dr. Julia Brailovskaia (FBZ), Dr. Laura Derks (LWL-Universitätsklinik Hamm) und Neele Hermesch (Ruhr-Universität Bochum).
Im fachlichen Austausch wurde deutlich, welche nächsten Schritte für eine vertiefte Forschung zur Mediennutzung notwendig sind. Ein zentrales Ergebnis war die Forderung nach einer besseren Datenlage, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen von Medien auf die frühe kindliche Entwicklung sowie im Jugendalter.
Als Lösungsmöglichkeiten wurden unter anderem folgende Schritte vorgeschlagen:
• Forschung mit bisher wenig berücksichtigten vulnerablen Gruppen, wie etwa Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status,
• Einbindung von Eltern und Jugendlichen bei der Frage, wie Regeln zum Medienumgang gestaltet werden sollten,
• Rückmeldung von Forschungsergebnissen an vulnerable Gruppen, um deren Perspektiven aktiv einzuholen,
• Anpassung bestehender Manuale zur Förderung psychischer Gesundheit unter Berücksichtigung von Mediennutzung,
• Stärkung wissenschaftlicher Netzwerke und Kooperationen, etwa durch persönliche Treffen wie das Kolloquium,
• Etablierung niedrigschwelliger Interventionen, um betroffene Gruppen besser zu erreichen.
Langfristig, so der Tenor, sollten Erkenntnisse in differenzierte Handlungsempfehlungen und Richtlinien auf nationaler sowie internationale Ebene, wie etwa die der Weltgesundheitsorganisation (WHO), überführt werden.
Die Veranstaltung startete mit Rundgängen durch die Räume des FBZ und des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie. Beide hatten das Kolloquium gemeinsam organisiert. Gefördert wurde der zweitägige Austausch durch die Exzellenz-Initiative der DFG, unterstützt von der RUB Research School für Promovierende.
